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Perspektograph von Ritter

Modell 834

Rubrik:
L IV 43

Beschreibung

Perspektograph von Ritter

Ergänzungen

Das Modell 834 ist ein Zeicheninstrument zur mechanischen Herstellung der Perspektive aus dem Grund- oder Aufriss geometrischer Figuren. Der allererste Perspektograph wurde vom deutschen Mathematiker Guido Hauck (1845-1905) erbaut und im Mai 1883 der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Apparat mit der Modellnummer 834, welcher in der Göttinger Modellsammlung zu finden ist, ist der von Hermann Ritter (1851-1916). Im Jahre 1883 ließ er sein Zeicheninstrument patentieren und stellte seinen ersten Prototypen im gleichen Jahr während einer Architekturveranstaltung vor. Er ist der Erste in den Handel gebrachte Apparat dieser Art und wurde von Ch. Schröeter & Co. in Frankfurt am Main angefertigt.

Der Zeichenapparat besteht aus drei Hauptteilen. Die beiden Führungsschienen s und r können durch Klammern auf der Ebene des Zeichenbrettes parallel in der entsprechenden Entfernung festgeklemmt werden. Die Punkte R und H auf der Führungsschiene r sind durch verstellbare Führungsstifte dargestellt, durch welche die Lineale PR und PH gleiten. Diese können sich ebenfalls um R sowie H drehen. In ihrem Schnittpunkt sind die beiden Lineale darüber hinaus durch den Fahrstift P verbunden. Die beiden Holzlineale PR und PH gehen über der Führungsschiene s durch zwei ganz ähnliche Führungspunkte F und K. Diese sind jedoch nicht wie R und H fest, sondern können auf der Schiene s gleiten. Das sogenannten "Froschschenkelsystem" besteht aus zwei Gelenkrhomben, die aus mehreren Holzstäben zusammengesetzt wurden. Diese besitzen die gleiche Seitenlänge und sind so miteinander verbunden, dass die Seitenpaare fc und fb senkrecht zueinander stehen. Die Seite ab ist außerdem über b hinaus um die gleiche Streckenlänge verlängert wurden. Es gilt ab = bD.

Im Punkt D befindet sich der Zeichenstift des Apparates. In allen Eckpunkten befinden sich Gelenke, sodass sich das Gelenkrhombensystem zusammenziehen bzw. ausdehnen kann. Demzufolge sind bei jeder Stellung die beiden Rhomben immer kongruent und liegen senkrecht zueinander. Somit ist das Seitenpaar fD gleich fK und steht im Punkt f immer senkrecht zu der Führungsschiene s.

Um den Perspektographen zu nutzen, müssen die Punkte f mit F und k mit K fest verbunden werden. Jede Abstandsänderung KF überträgt sich auf das Froschschenkelsystem und damit auch auf den Zeichenstift D, der sich in der dazu senkrechten Richtung befindet. Es ist stets fD = fk = FK + C. Dabei ist C eine von der Anfangslänge abhängige Konstante.

Wird nun mit Hilfe des Fahrstiftes P der Umriss einer ebenen Figur (z.B. ein Umriss eines Teichufers) durchlaufen, so zeichnet zeitgleich der Zeichenstift D das perspektivische Bild der Schicht unter Berücksichtigung der vorab festgelegten Einstellungen der Schienen auf.

Text geschrieben von: Lars Lichtenberg

Zum Schaukasten des Modells Kasten Nummer U 47

Literatur

Separataband M3 im Mathematischen Institut S. 263.

Luck, O.(1184). Der Perspectograph, S.79-81. Schweizerische Bauzeitung, Heft 4.